Markus Antonietti, Direktor des Max-Planck-Instituts für
Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm bei Potsdam hat
vor etwa fünf Jahren ein Verfahren wiederentdeckt, mit dem
man nasse Pflanzenabfälle unter hohem Druck und bei hoher
Temperatur zu einer Art Holzkohle verkochen kann. Diese
"Designerkohle" hat Eigenschaften, die sich durch Veränderungen
von Druck, Hitze und Verweildauer im Reaktor gezielt steuern
lassen. Der Prozess wird als hydrothermale Karbonisierung
(HTC) bezeichnet, was sich etwa als "wässrige Verkohlung bei
erhöhter Temperatur" übersetzen lässt. Unterstützt durch
Katalysatoren sowie moderne Mess- und Regeltechnik ist
inzwischen eine Methode entstanden, die das Innere einer
Biotonne in Kohle, Wasser und Dünger verwandeln kann.
Bei der Verkohlung wird weitaus weniger Kohlendioxid
freigesetzt als beim Verbrennen oder Verrotten der Abfälle.
Mindestens 50 Prozent des Kohlenstoffs aus dem Ausgangsmaterial
bleiben in der Kohle gebunden. Wenn ein Drittel der globalen
Ernterückstände in Biokohle verwandelt würde, käme das einer
Senkung der Treibhausgas-Emissionen um 10 bis 20 Prozent
gleich, glaubt Bodenökologe Johannes Lehmann von der Cornell
University im US-Bundesstaat New York.
Das Material, so die Idee der Experten, könnte in den Erdboden
eingearbeitet werden, dort den Kohlenstoff für lange Zeit
binden und zugleich Nährstoffe und Wasser im Boden halten. In
Amazonien kann man dieses Prinzip bereits studieren. Entlang
des Amazonas erstreckt sich ein Streifen fruchtbarer Boden,
die Terra Preta (schwarze Erde), die durch einen hohen
Kohleanteil reich an Mineralstoffen wie Kalzium und Phosphor
ist. In Deutschland verliefen Dünge-Experimente mit
Designerkohle hingegen ernüchternd.
Doch auch wenn die Einarbeitung auf Feldern noch nicht die
erwünschten Erfolge bringt, werden der Biokohle gute Zukunftschancen
prophezeit: Hydrothermaler Kohlenstoff könnte zum Beispiel als
Ausgangsmaterial für Elektroden in neuartigen Batterien dienen,
für Kohlenstoff-Nanopartikel oder auch für Farbstoffe in
Druckertinte. Alles, was die Industrie bislang aus fossilen
Kohlenstoffquellen herstellt, ließe sich zumindest theoretisch
auch aus Biokohle raffinieren, sagt Antonietti: "Wir wollen so
hoch wie möglich in die Veredelungskette einsteigen." So würde
CO2 auf dem Umweg über Pflanzen zum Rohstoff der Industriegesellschaft.