Heizung geht vor Dämmung

Wie können Verbraucher bei der energetischen Sanierung mit möglichst geringen Investitionen ihre Heizkosten senken und das Klima schonen? Mit dieser Frage befasst sich die Studie "IEU-Modernisierungskompass", die die Initiative Erdgas pro Umwelt (IEU) und das Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG) jetzt vorgelegt haben.

Ob Dämmung oder neue Heizungsanlage - die Möglichkeiten der Sanierung sind vielfältig. Konkrete und fundierte Hilfestellung bietet der IEU-Modernisierungskompass. "Unsere Studie vergleicht zum ersten Mal bauliche und anlagenseitige Modernisierungsmaßnahmen und ist damit eine wichtige Hilfestellung für Investitionsentscheidungen", erklärt Bernhard Funk, Sprecher der Initiative Erdgas pro Umwelt (IEU).

Gut fürs Klima - gut fürs Konto
Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Kesseltausch geht vor Dämmung - sowohl mit Blick auf die Anschaffungskosten als auch hinsichtlich des CO2-Einsparpotenzials. Der IEU-Modernisierungskompass zeigt, wie viel Geld Hausbesitzer für die Einsparung eines Kilogramms Kohlendioxid pro Jahr in die verschiedenen Modernisierungsmaßnahmen investieren müssen. Bei der Erdgas-Brennwertheizung sind es nur 0,94 Euro. Die CO2-Minderungskosten sind bei dieser Heizung also extrem niedrig und liegen weit unter dem Mittelwert von 1,60 Euro. "Günstiger als mit Erdgas-Brennwerttechnik können Hausbesitzer Kohlendioxid nicht einsparen", so Bernhard Funk. Auch wenn man zusätzlich in Solarthermie investiert, liegen die Kosten mit 1,33 Euro noch deutlich unter dem Durchschnitt. Zum Vergleich: Bei einer Dämmung müssen Hauseigentümer im Schnitt 9,11 Euro investieren, um ein Kilogramm Kohlendioxid zu sparen. Das ist fast sechsmal so viel wie bei einem Heizungstausch.

Bei Holzpelletanlagen sind die CO2-Minderungskosten mit durchschnittlich 1,10 Euro ebenfalls relativ gering. Grund dafür ist die günstige CO2-Bilanz des Energieträgers Holz. Im Gegensatz zu Erdgas-Brennwertkesseln sind die Anschaffungskosten für Holzpelletanlagen jedoch deutlich höher. Des Weiteren sind diese Heizungen nur begrenzt einsetzbar, da Holzpellets zur Lagerung entsprechend viel Platz benötigen.

Neben den ökologischen sprechen auch wirtschaftliche Vorteile für den Anlagentausch. Denn eine Heizungsmodernisierung macht sich deutlich schneller bezahlt als eine bauliche Sanierung. Während sich die Gebäudedämmung erst nach rund 43 Jahren rechnet, sind die Kosten für den Tausch eines alten Öl-Standardkessels gegen eine neue Erdgas-Brennwertheizung schon nach gut acht Jahren ausgeglichen. Wechselt der Hausbesitzer von einem Erdgas-Standardkessel zur Erdgas-Brennwerttechnik, zahlen sich die Anschaffungskosten sogar bereits nach weniger als fünf Jahren aus.

Förderung verdoppeln
"Die Ergebnisse unserer Studie geben nicht nur Verbrauchern, sondern auch Entscheidern in Politik und Wirtschaft wichtige Anhaltspunkte", so Bernhard Funk. "Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir das derzeitige Modernisierungstempo verdoppeln und bessere Investitionsanreize schaffen. Sachsen und das Saarland gehen hier mit gutem Beispiel voran und haben eigene Förderprogramme aufgelegt. Wir sehen aber auch die neue Bundesregierung in der Pflicht. Sie hat im Koalitionsvertrag angekündigt, die derzeitige Sanierungsquote zu steigern. Das ist ein positives Signal. Mit Blick auf dieses Ziel ist es allerdings notwendig, zusätzliche Anreize für Hausbesitzer zu schaffen. Wir fordern den Bund daher auf, die Förderung für den Heizungstausch zu verdoppeln. Dies wäre ein entscheidender Beitrag für den Klimaschutz und zugleich ein wichtiger Konjunkturimpuls."

Bis 2020 sind zehn Millionen Heizgeräte modernisierungsbedürftig. Würden diese Anlagen durch Erdgas betriebene Systeme ausgetauscht, ließen sich rund 85 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Deutschlands Klimaschutzziel bezogen auf den Wärmemarkt wäre somit zu 100 Prozent erreicht. "Ausschließlich mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien und einer verbesserten Energieeffizienz schaffen wir diese Fortschritte nicht. Wir brauchen eine technologie- und energieträgeroffene Klimapolitik", betont Bernhard Funk. "Die derzeitige Modernisierungsquote ließe sich schon heute steigern. Die Aufgabe der Politik muss es also sein, die Weichen entsprechend zu stellen und eine Neubewertung von Erdgas im Kontext der erneuerbaren Energien vorzunehmen."

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick

  • Der Kesseltausch ist in puncto Anschaffungskosten und CO2-Einsparung effizienter als die Gebäudedämmung.
  • Mit Erdgas-Brennwerttechnik können Hausbesitzer ihre CO2-Emissionen am günstigsten reduzieren: Mit einer jährlichen Investition von 0,94 Euro pro eingespartem Kilogramm CO2 liegen die Kosten weit unter dem Durchschnitt von 1,60 Euro. Zum Vergleich: Bei einer Dämmung beträgt dieser Wert 9,11 Euro.
  • Bei Holzpelletanlagen sind die CO2-Minderungskosten mit 1,10 Euro ebenfalls relativ gering. Grund dafür ist vor allem die günstige CO2-Bilanz des Energieträgers Holz. Die Anschaffungskosten für diese Heizung sind im Vergleich zu einer Erdgas-Brennwertheizung jedoch doppelt so hoch.
  • Die größten Einsparpotenziale hinsichtlich Energiebedarf, Energiekosten und CO2-Emission ermöglicht eine Kombination von Dämmung und Anlagensanierung. Diese ist in der Regel jedoch auch mit den höchsten Investitionen verbunden.
  • Die Heizungsmodernisierung zahlt sich schneller aus als eine bauliche Sanierung: Der Tausch eines Öl-Standardkessels gegen eine moderne Erdgas-Brennwertheizung rechnet sich bereits nach gut acht, eine Dämmung erst nach rund 43 Jahren.
  • Beim Wechsel von einem Erdgas-Standardkessel zur Erdgas-Brennwerttechnik sind die Anschaffungskosten sogar bereits nach weniger als fünf Jahren ausgeglichen.


[Quelle: Initiative Erdgas pro Umwelt]

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